Information der Diözese im Gottesdienst vom 25. April 2010
Weggang von Pfr. Cristian Anghel –
Erläuterung der personellen Veränderungen ab Sept. 2010


Lieber Pfarrer Cristian!
Sehr geehrte Noflerinnen und Nofler!
Geschätzte Mitfeiernde!

Herr Pfarrmoderator Cristian Anghel hat Ihnen vergangenen Sonntag mitgeteilt, dass er mit Ende August die Pfarre Feldkirch-Nofels verlassen wird.

Es ist dies eine Entscheidung der Diözese, die in Absprache mit dem Herrn Pfarrmoderator und nach vielen Gesprächen mit den Gremien und vielen Einzelpersonen getroffen worden ist. Mir ist es wichtig, Ihnen diese Entscheidung persönlich bestmöglich verständlich und nachvollziehbar zu machen – vor allem auch deshalb, weil ich annehme, dass viele von Ihnen von den Entwicklungen, die im Hintergrund stehen, wenig mitbekommen haben.

Mit der Entscheidung verbindet sich der Wunsch und die Bitte an Sie, dass Sie den Blick nach vorne richten, dass Sie sich alle eine neue Chance geben, hier in Nofels miteinander Kirche zu leben und zu gestalten.

Warum diese Veränderung?

Die Diözese reagiert damit auf einen Konflikt in der Pfarre, der sich trotz vieler Bemühungen nicht beruhigt hat. Cristian Anghel ist im Herbst 2007 vom Herrn Bischof mit der Pfarrleitung beauftragt worden. In den 2 1/2 Jahren sind vor allem zwischen ihm und Teilen der beiden pfarrlichen Gremien PKR (Pfarrkirchenrat) und PGR (Pfarrgemeinderat) Spannungen entstanden, die die Zusammenarbeit sehr belastet und dann zum Teil auch verunmöglicht haben.

Aus Sicht der Diözese sind die Gründe dieses Konfliktes vielschichtig und verteilen sich mehr oder weniger auf alle Beteiligten. Dass die unmittelbar am Konflikt beteiligten Personen die Situation und auch deren Ursachen widersprüchlich einschätzen und die Schuld vor allem beim jeweils anderen sehen, liegt in der Natur eines Konfliktes. 

·      Die Spannungen resultierten u.a. daraus, dass es sehr bald auf beiden Seiten enttäuschte Erwartungen gab.
 

  • Beide Seiten fühlten sich gegenseitig zu wenig wertgeschätzt.

  • Hinzu kamen Missverständnisse und Kränkungen.

  • Es gab auf Seiten des Herrn Pfarrers natürlich auch ein Stück Unerfahrenheit in der Leitung einer Pfarrgemeinde. Nofels ist für ihn die erste Leitungsstelle.

Eine Rolle spielte auch die über Jahrzehnte gewachsene Prägung und Kultur der Gremien, die in der neuen Konstellation nicht mehr funktionierte.
Wir haben uns die Entscheidung von Seiten der Diözese nicht leicht gemacht. Es wurde auch mehrfach versucht, in diesem pfarrlichen Konflikt zu intervenieren und zu vermitteln.
Es gab viele Einzelgespräche von am Konflikt beteiligten Personen mit dem Herrn Bischof, dem Herrn Generalvikar und dem Pastoralamtsleiter.
Es wurden intensive Gespräche mit den Gremien PKR und PGR geführt, im Oktober bereits mit den Vorständen, im Dezember dann im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung der beiden Gremien.
Am Ende aller Versuche mussten wir aber mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass die Situation sich nicht beruhigt hat, sondern im Gegenteil der Konflikt an Schärfe und Breite zugenommen hat.
Wir sehen in dieser Situation im Sinne des pfarrlichen Lebens und der beteiligten Personen keine Alternative zu personellen Veränderungen.
 
Konkret: Wir haben die Repräsentantinnen und Repräsentanten des Konfliktes gebeten, ihre Ämter und Aufgaben zur Verfügung zu stellen. D.h.
  • Erstens: Pfr. Cristian Anghel geht mit Ende August aus der Pfarre weg.
  • Zweitens: Die Vorsitzende des PKR stellt mit diesem Zeitpunkt ihr Amt ebenfalls zur Verfügung.
  • Der ehemalige gf. Vorsitzende des PGR hat bereits im Dezember auf sein Amt verzichtet.
Die diözesane Entscheidung ist also keine Entscheidung für oder gegen eine der Konfliktparteien. Mit ihrem Amtsverzicht setzen auch die drei Personen ein Zeichen, dass sie am Ende des Konfliktes keine Sieger und keine Verlierer wollen und vor allem, dass sie der Pfarrgemeinde einen Neuanfang ermöglichen wollen.
 
Pfr. Cristian Anghel kommt für ein Jahr als Pfarrprovisor in die Pfarre Bregenz Mariahilf.
Die Leitung der Pfarre Feldkirch-Nofels übernimmt für ein Jahr Pfr. Rudi Siegl. Es ist dies ein Übergangsjahr. Im drauffolgenden Jahr steht eine Neuregelung an, wobei auch Veränderungen in der Nachbarpfarre Tosters in die Überlegungen mit einbezogen werden müssen.
 
Mir ist es wichtig, auch in einer so schwierigen Situation das Mühen und das Engagement der Beteiligten nicht zu übersehen, und auch nicht das Viele, das in diesen drei Jahren gut gelungen ist. So möchte ich diese Gelegenheit auch noch nützen, einen herzlichen Dank auszusprechen:
  • Dir, Pfarrer Christian, danke ich herzlich für deinen Einsatz hier in Nofels, für deine Impulse und Neuanfänge, wie etwa in der Kinder- und MinistrantInnenarbeit, in der Liturgie und in der Begleitung alter und kranker Menschen, insbesondere aber auch für deine Bemühungen und Schritte in den vergangenen Monaten.
  • Danken will ich auch den Gremien PGR und PKR. Ich habe in diesem Konflikt viel Herzblut und Engagement für die Pfarre gespürt. In besonderer Weise gilt dieser Dank jenen Vertreterinnen und Vertretern der Gremien, die gerade auch in den vergangenen Wochen ihre Arbeit in großer Treue gegenüber der Pfarre weitergetragen haben. Das war ein wertvoller Dienst am Übergang und Neuanfang.
Am Ende eines solchen Konfliktes hilft – ich möchte es nochmals sagen – nicht die Schuldfrage, sondern nur das Eingeständnis, dass es in einer Gemeinschaft eben Konflikte gibt und auch geben darf. Jetzt braucht es die Großzügigkeit, Geduld und Barmherzigkeit, die uns gerade als Gläubige sagen lassen: Wir sind nicht die Gefangenen unserer Geschichte und Konflikte, sondern dürfen und können den Blick nach vorne richten, das Beste aus der Situation machen und neu miteinander anfangen.
 
Ich wünsche allen Beteiligten, dass sie die verbleibende Zeit miteinander und füreinander gut nützen können. Und der Pfarre Nofels wünsche ich, dass sie weiterhin ein Ort sein wird, an dem ihr euren Glauben miteinander teilt, wo ihr euch gegenseitig in eurer Hoffnung bestärkt und wo ihr euch miteinander für ein gutes und erfülltes Leben der Menschen in Nofels und darüber hinaus engagiert.
 
Pastoralamtsleiter Walter Schmolly
Sonntag, 25. April 2010